Am 13.3.2010 ging es endlich los! Wir hatten unsere Koffer gepackt und sind von Berlin Tegel Richtung USA gestartet.

Ob es schon ein Hinweis war, dass wir mit ueber einer Stunde Verspaetung gestartet sind...? Irgendetwas stimmte mit dem Flugzeug nicht und es musste erst eine kleinere Reparatur durchgefuehrt werden. Na ja, irgendwann sind wir dann gen Westen gestartet und konnten den Flug geniessen: keine Turbulenzen, schoener Ausblick ueber Groenland und ein insgesamt ruhiger Flug - und die Stunde Verspaetung war auch schnell wieder eingeholt :-)
Das Abenteuer begann dann mit dem Anflug auf New York / JFK. Ueber eine Stunde flogen wir durch massive Wolkendecken, so dass einem komplett die Orientierung zu Flughoehe, Flugrichtung und Geschwindigkeit verloren ging. Die Anschnallzeichen waren zu diesem Zeitpunkt schon lange angeschaltet - doch alles war noch ruhig... Der Captain kuendigte Turbulenzen ueber NY, war aber noch fest entschlossen, den Jet zum Ziel zu bringen. Langsam begannen dann leichte Turbulenzen, leichtes Wackeln, welches sich zunehmend verstaerkte. Irgendwann sassen dann auch die Stewardessen auf ihren Plaetzen und warteten mit den Reisenden auf die Landung. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Maschine schon ordentlich durchgeschuettelt - nicht fuer schwache Nerven... Leider war es damit nicht getan! Die Turbulenzen schaukelten sich immer weiter auf, so dass nach und nach die froehliche Reise-Vorfreude der Passagiere in allgemeines Entsetzen wandelte. Das Flugzeug wurde hin und her geworfen, sackte ab, wurde hoch und runter geschleudert, Gegenstaende rollten und flogen durch die Kabine und die ersten Gaeste fingen an, jede Bewegung des Jets mit Schreien und Stoehnen zu begleiten. Als dann die Landung in Sicht kam und sich selbst die Stewardessen in ihre Armlehnen mit angstbelegten Gesichtern krallten, wollten alle nur noch runter - aber bitte sicher! Die Frau im Sitz vor mir zu diesem Zeitpunkt schon lange am Hyperventilieren, die Kotztueten neigten sich dem Ende und die Schuettelei nahm kein Ende.
Endlich konnte man bei fahlem grauem Licht und starkem Regen wieder Land sehen und die Landebahn kam in Sicht. Unter massiven Anstrengungen des Piloten wurde die Maschine bis auf's aeusserste gereizt und Richtung Boden gepruegelt. Kurz vor dem Aufsetzen wurde dann jedoch die Maschine von einer so starken Turbulenz erfasst, dass dem Piloten nichts anderes uebrig blieb, die Gashebel nach Vorn zu druecken und die Landung abzubrechen. Mit voller Wucht wurden wir in unsere Sitze gepresst und die Nase des Jets in Richtung des unheilvollen Himmels gereckt; wir wurden also nicht von dem Schrecken erloest... :-(
Als wir wieder eine ausreichende Hoehe erreichten, nahmen auch die Turbulenzen ab und wir hatten Zeit, uns etwas zu erholen, waehrend die blassen Flugbegleiterinnen neue Kotztueten verteilten und sich um besonders panikgeplagte Passagiere kuemmerten.
Ansage des Piloten: "Folks, we cannot land in JFK! All arrivals are canceled due to bad weather / we are redirected to Hardford, Connecticut." Egal - wir wollten jetzt landen! Nach weiteren 10 Min wieder: "Folks, we will not go to Hardford, it is too full over there. We are redirected to Boston, Massachusetts." Na gut, eine weitere Stunde im Flugzeug - aber immerhin ein Ziel...
Die Turbulenzen nahmen beim Sinkflug wieder zu und die Landung war nicht weniger spektakulaer als der Versuch in NY. Mit geschaezten 45Grad zu Landebahn versetztem Jet und gefuehlten 3-maligem Auftitschen und massivem Schlingern des Jets erreichten wir endlich festen Boden. Das Schreien, Wimmern und Stoehnen wurde durch rasenden Applaus fuer die Piloten abgeloest. Alle Beteiligten waren sowas von erleichtert - ihr gleubt es kaum! Das war mit Sicherheit mein bisher schlimmster Flug! Wobei Tamara und ich im Gegensatz zu vielen anderen ueberraschend cool geblieben sind ;-)
Leider hatte die Odyssee noch kein Ende gefunden... Wir mussten geschlagene vier weitere Stunden im Flugzeug sitzen bleiben, weil es keine freien Gates mehr gab - durch die Unwetter, die scheinbar die gesamte Ostkueste lahmgelegt hatten, warteten zich Jets auf Abfertigung. Unter anderem ein A380 der Air France, aus Paris. Der wartete direkt hinter uns...
Endlich im Flughafen angekommen, erstmal durch die Zoll- und Passkontrolle und dann zum Delta-Schalter. Hier erhielten wir nach ca. 2 Stunden Unwissenheit und Warten Hilfe. Uns wurde ein Hotelzimmer besorgt und neue Fluege gebucht.

Eine positive Sache war der ganzen Angelegenheit doch noch abzugewinnen: Nach der Beinahe-Bruchlandung und der endlosen Wartezeit im Flugzeug kam man gut mit anderen Leuten in Kontakt und wir haben uns mit zwei netten Jungs zusammengetan, die auch Phoenix als Endziel hatten. Mit denen sind wir dann total geraedert per Taxi ins Hilton von Woburn (Nachbarstadt von Boston) gefahren, wo wir uns dann endlich ausruhen konnten.

Am naechsten Morgen gleich wieder zum Flughafen, wo wir erneut stundenlang in Schlangen warten mussten. Es waren erneut unzaehlige Fluege gestrichen worden und die Ungewissheit konnte kein Ende nehmen. Erst als Tamara und ich nach vielen Stunden Warten in einer Maschine Richtung Washington, DC sassen, fiel die Anspannung etwas von uns ab. Leider hatten Mario und Gerald, die anderen beiden Jungs nicht so viel Glueck und sollten eine Maschine spaeter nach Washington nehmen. Hier wollten wir dann wieder zusammentreffen.
In Washington angekommen, rief mich Mario an und teilte mir mit, dass ihr Flug nicht starten koennte und sie erneut umgebucht wurden. So konnten wir leider nicht mehr weiter mit ihnen zusammen reisen. Schade - es ist in solchen Situationen immer ganz nett, wenn man in einer Gruppe ist, so kann man sich gegenseitig stuetzen.

Nachdem wir in Washington dann unsere 42$ Essensgutscheine von Delta verfressen hatten, ging es dann mit dem naechsten Flug nach Memphis, Tennessee, und eine weitere Stunde spaeter Richtung Phoenix, wo wir nach insgesamt 4 Starts, 4 Landungen, 1 Landeversuch, 1 Hoteluebernachtung, zich Stunden Reisezeit und total geraedert landeten - die pure Erleichterung.
Wir haben noch kurz unser Mietauto abgeholt und wurden dann von unserem Freund Phil am Flughafen abgeholt. Mit offenen Fenstern und lauter Musik bin ich dann hinter Tamara und Phil ueber den Highway nach Mesa geduest, wo ich jetzt gerade, frueh morgens (Jetlag!!!) am PC sitze und euch von unserer Reise berichte.
Sofern wir Internet haben, werden schon bald weitere Berichte folgen!